Sprich, wenn's wehtut !

Bevor morgen…

... keiner mehr was ernstnimmt: Bruce Sterling im Elektrischen Reporter.

If you’re thinking about the future you need to put pessimism and optimism aside. They are intellectual vices. It´s like covering one eye and expecting to get a vernacular view. You really need to think about the future historically. You need to think about it with a historians dispassionate approach. You will not ask: Are you optimistic about the 19th century or pessimistic about the 19. century.

I mean: Bad things happen, good things happen. Some bad things had good aspects later, some good things turned out to be bad in the long run. To make value judgements of that kind actually damages your ability to think clearly about what’s going to happen. So I think the propper attitude is neither optimism nor pessimism. It´s engagement. You are to care about it and you are to be in command of the facts. That´s what really matters.

Auf Deutsch :

Wenn man über die Zukunft nachdenkt, muss man Pessimismus und Optimismus abstellen. Das sind intellektuelle Unredlichkeiten.

Das ist, als ob man ein Auge abdeckt und hofft räumlich zu sehen. Man muss über die Zukunft historisch nachdenken. Man muss darüber mit der Leidenschaftslosigkeit eines Historikers nachdenken. Man fragt ja auch nicht: Bist Du optimistisch, das 19. Jahrhunderts betreffend, oder pessimistisch?

Ich meine damit: Es passiert Schlechtes, es passiert Gutes. Einiges Schlechte hatte später gute Aspekte, einiges Gute stellte sich langfristig als schlecht heraus. Wenn man derartige Werturteile macht, beeinträchtigt es die Fähigkeit klar darüber nachzudenken was geschehen wird.

Ich denke also, die richtige Einstellung ist weder Optimismus noch Pessimismus. Es ist Engagement. Man muss sich darum kümmern und die Fakten nicht übersehen. Das ist es, was wirklich zählt.

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Kommentare

  1. Danach werden wir alle unsere Augen auswringen und etwas aus denselben verlieren.

  2. marc

    Den Splitter im Auge Gottes, wahrscheinlich.

  3. Das erinnert mich irgendwie an das Rätsel, dass mir der Satz der Herrn Camus aufgab: “Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.” In etwa so voluntaristisch kommt es mir vor, sich von Befürchtungen und Hoffnungen zu trennen. Es mag helfen. Aber hilft es weiter?

  4. marc

    Sind Befürchtungen gleich Pessimismus ?
    Ist Hoffnung gleich Optimismus ?
    Müssen wir glücklich sein ?

  5. Au ja, Diskussion!
    Also, nee, natürlich sind die nicht identisch. Aber jedem Optimismus liegt doch die Hoffnung zugrunde, das etwas Erwartetes auch eintritt, Analoges gilt für Pessimismus und Befürchtung. Anders ausgedrückt, ich kann mir nicht vorstellen, dass man ohne Hoffnung optimistisch und ohne Befürchtungen pessimistisch sein kann. Wäre jetzt zu fragen,ob jemand, der hofft, zwangsläufig optimistisch, oder jemand, der Befürchtungen hegt, zwangsläufig pessimistisch ist. Mir fällt allerdings kein Beispiel ein, wo das nicht der Fall wäre. Also läuft Bruce Sterlings Empfehlung, Pessimismus und Optimismus “abzustellen” doch darauf hinaus, sich von Hoffnungen und Befürchtungen zu trennen. Das mag als buddhistische Grundeinstellung ja ganz schön sein (und weil ich hier einen spirituellen Hintergrund vermute, frage ich mich, was seine Aufforderung mit “intellektueller Redlichkeit” zu tun hat.), ist aber m.E. keine Empfehlung, die ich generell aussprechen würde, da Hoffnungen und Befürchtungen motivierend sein können, sich zu engagieren. Warum also darauf verzichten? Das ist mir nicht klar. Insofern erscheint mir sein Appell wie ein voluntaristischer Notausgang. Und das erinnerte mich eben an das bekannte Diktum Camus’.
    Allerdings finde ich Deine Frage berechtigt, ob wir glücklich sein müssen. Müssen wir wohl nicht, aber wir wollen. Und deshalb fordert Camus auf, das Absurde nicht nur zu akzeptieren,sondern das Handeln im Absurden als Glück zu empfinden. Wie gesagt, verstanden habe ich das bis heute nicht wirklich. So mit den Jahren erschließt sich mir der Sinn ein wenig besser als zur Jugendzeit, aber unterschreiben könnte ich den Satz immer noch nicht.

  6. marc

    Ich denke, man kann in diesem Kontext “Engagement” auch als Steine-den-Berg-hochrollen lesen. Und tatsächlich, das kann Spaß machen !

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