Sprich, wenn’s wehtut !

Medi(s)tation

Gestern wurde dann doch nochmal operiert. Anschließend war ich high as a kite bis in die Nacht. Danach wach. Mein Wachliegen, mit Schmerzen & Juckreiz und ohne Bewegungsmöglichkeit, war sowas wie eine spirituelle Übung. OM statt AUA.
Das Frühstück beendete die Versenkung in mein Mantra: “Desire is the reason for suffering” (D. Lama) obwohl mein einziges desire war, eben nicht zu leiden. Neuen Infusionszugang gelegt bekommen. Stuhlgang vermeiden, da ich einfach nicht in die Pfanne… kann. Ich will hier raus.
Ich werde mir gleich noch 100 mal “Sich in das Unvermeidliche fügen” vorbeten, mal sehen ob’s hilft.

Tags: , | Abgelegt in leibliches

Sunday, bloody sunday.

Zum “Guten Morgen, hier ist Ihr Frühstück” bekam ich eine Wochendosis Tabletten (in diesen Dosen mit aufgedruckten Wochentagen – wie lautet der Fachausdruck dafür?) und die begleitende Mahnung, diese auch brav einzunehmen. Angesichts meiner Infusionen erwidere ich leicht verwirrt. “Wirklich ? Die sind alle für mich ?” Die Schwester, leicht genervt : “Klar. Ich habe meine Anweisungen.” Ich schaue nochmal hin : “Aber hier ist Christa Meiermann aufgeklebt !” Sie reißt mir das Ding aus der Hand, sieht den mit Filzstift beschriebenen Aufkleber, errötet leicht … und verschwindet. Habe sie seither nicht mehr wiedergesehen.

Viel Besuch heute. Die Kleinkinder meiner Freunde wollten umgehend das Gelände verlassen. Bei denen funktionieren die Instinkte noch !

Kurz vor dem Tatort ( spielte im Krankenhaus … gnagna !) kam ein Arzt : ” Ab Mitternacht und morgen früh nüchtern bleiben !”

Eine andere Ärztin klärte mich darüber auf, dass ich, wenn ich die Schwesternruftaste drücke, mit so einer Art Klinik-Call-Center verbunden werde, nicht mit den Stationsschwestern. War mir peinlich, da ich mich also bei den Falschen für gute Behandlung bedankt und übers Gegenteil beschwert hatte. Es gibt keine Direktleitung zu den für Dich zuständigen Sisters & Brothers mehr. Jessesmariaijossefff ! Ab jetzt wundern mich die Kommunikationsprobleme beim Klinikpersonal ein wenig weniger.

Tags: , | Abgelegt in leibliches

So siehts aus.

bedblogging

Tags: , | Abgelegt in leibliches

I woke up this mooaaanin …

Aus einem verlassen Flügel des Krankenhauses dringt eine einsame Bluesharp durch den Spalt des auf Kipp gestellten Fensters in mein blutwarmes Ohr … Wär schön, würde meine Stimmung aufhellen. Aber auch das Surren der A46 hat seinen Reiz.

Meine Operation wurde heute zwei mal abgesagt. Gestern abend hieß es noch, morgen nicht, daher bekam ich Frühstück. Was anschließend eine junge, aber irgendwie arg verkrampfte Ärztin verwirrte, dich mich in den OP schieben wollte. Dann eben später. Also erst mal 6 Stunden nichts mehr zu sich nehmen. Früher Nachmittag, Auftritt Professor. “Hmm, hat sich ja nicht verbessert. Aber auch nicht verschlechtert.” (Nicht meine Wunde, die Diagnose ist eine klarer Fall von mentaler Idiopathie – Danke, Herr Manfred Lütz) Laut den ärztlichen Sprechfunkgeräten hatte der Helikopter gerade wieder frisches Unfallfleisch gebracht – morgendlichem Glatteis geschuldet. Also wird das heute eher nix mehr mit der OP. Schlauch wieder rein in meinen organischen, blutverkrusteten USB- Anschluss. Antibiotika ( welche Errreger ? frage ich mich besorgt – siehe erstes Krankenhausposting) geladen. Mit einem für eine Infusion interressantem Bug: Übler Geschmack. Damit schmeckt selbst der Fraß hier nach etwas. Etwas üblem.

Aber es gab auch schöne Augenblicke. Meine Lieblingscrevette hat mir Kuchen gebacken. Und mich von einem Überraschungsbesuch – Ex-Krankenschwester und Medizinmann – wirklich überraschen lassen. Die tschechische Medizin ist genommen. Ich hab mich echt gefreut.

Tags: , | Abgelegt in leibliches

Good practice ?

Die Krankenhäuser der Republik wollen sich Management-Qualitätsmäßstäbe setzen. Die Klinik, in der ich mich gerade befinde, müsste genau da aber, was interne Kommunikation betrifft, beträchtlich zulegen, ISO NIX !

13.42 h
Meine Infusionslösung ist schon seit über 2 Stunden leer. Jemand soll mir den Zugang abklinken. Die erste Schwester kommt rein und erklärt, dass sie einen dringenderen Termin hat und verschwindet wieder. Die zweite fühlt sich scheinbar nicht kompetent (war eine Praktikantin, erfahre ich gerade) und der dritte Versuch erscheint erst gar nicht. Zweieinhalb Stunden ist´s her. Jetzt hat gerade die Schicht gewechselt. Endlich wird mir der Zugang abgeklemmt und ich kann versuchen aufs WC zu humpeln oder zu kriechen. Ich weiß immer noch nicht, ob ich noch einmal operiert werden muss und darf bis zur Entscheidung der Ärzte nichts essen.

update 14.42 h
Gerade war Schwester A. von der Spätschicht da, die mir erklärte, dass ich heute nicht mehr operiert werde und jetzt mein Seelachs-schnitzel aufgewärmt wird. Hmmmm !

Tags: , | Abgelegt in leibliches

sub summa summarum

Meine Gute-Nacht-Lektüre:
Eine pointierte Zusammenfassung der Multikulturalismus-Debatte von Pascal Bruckner. Hier der ganze Text.

Und hier ein Zitat:

Wer schüchtern daran erinnert, dass Freiheit unteilbar ist, dass ein Menschenleben überall denselben Wert besitzt, dass die Amputation der Hand eines Diebes oder die Steinigung einer ehebrüchigen Frau nirgendwo geduldet werden können, wird im Namen der notwendigen Gleichheit der Kulturen zurechtgewiesen. Wie die anderen leben und leiden, wenn man sie erst einmal in das Ghetto ihrer Eigentümlichkeit eingepfercht hat, darum soll man sich nicht scheren? Man tröstet sich über die Last ihres Schicksals, indem man ihre unantastbare Andersartigkeit hervorhebt. Nun ist es allerdings eine Sache, die Überzeugungen und Riten von Mitbürgern fremder Herkunft anzuerkennen, und eine ganz andere, inselartigen Gemeinschaften den Segen zu geben, die jede Kontamination durch das Fremde abwehren und Schutzwälle zwischen sich und der übrigen Gesellschaft errichten. Wie kann man eine Andersartigkeit akzeptieren, die die Menschen ausgrenzt, statt sie aufzunehmen? Hier stößt man auf das Paradoxon des Multikulturalismus: Er gewährt allen Gemeinschaften die gleiche Behandlung, nicht aber den Menschen, aus denen sie sich bilden, denn er verweigert ihnen die Freiheit, sich von ihren eigenen Traditionen loszusagen. Statt dessen: Anerkennung der Gruppe, Unterdrückung des Individuums. Bevorzugung der Tradition gegen den Willen all jener, die Bräuche und Familie hinter sich lassen, weil sie zum Beispiel die Liebe nach ihrer eigenen Vorstellung leben wollen.

Tags: , , | Abgelegt in société général

No fun.

Es war doch bloß eine Bursektomie
Nach kurzem Heimspiel wieder auf Station. Aber einer anderen. Einzelzimmer! Mein Bein sieht aus wie eine Robbe mit Gelbsucht. Die vernähte Wunde muss wahrscheinlich wieder aufgemacht werden, da entzündet. Jetzt ist das Bein erstmal in Gips. Was gewisse Tätigkeitern erschwert – ich rufe ungern die Schwestern ins WC. Meiner Frau wurde das Auto vom Klinikparkplatz abgeschleppt – während meiner Neu-Einlieferung. Yeah.

Tags: , | Abgelegt in leibliches

Auf Station.

Ich kann bisher nicht schlafen. Liege, das Bein mit dem operierten Knie erhöht vor diesem praktischen, zu mir herunterziehbaren Ding, in das ich diesen Text hacke und in dem ich eben noch Digital-TV gesehen habe. Es nennt sich “Cockpit” und ist von Siemens. Das Highlight bis jetzt – keine besorgte, freundliche oder charmante Krankenschwester kann gegen dieses Terminal, bestehend aus TV, Web-Station und Telefon anstinken
bestehen, wenn es eine solche denn hier gäbe. Der Kerl neben mir schnarcht so laut, ein Wunder, dass auf der Station irgendjemand schläft. Mein Magen knurrt.

Habe aber schon mal den Rollstuhl getestet. Für die Marke habe ich schon mal einen Prospekt getextet !

Es dauerte verdammt lang bis ich am frühen Abend endlich die Gelegenheit hatte, zur Toilette zu rollen. Genau 35 Minuten nach meiner ersten Schwesternansprache. Und auch erst nachdem ich ein herzhaftes: “Ihnen ist vielleicht egal ob ich das Bett vollscheiße – mir aber nicht !” in den Gang Richtung Schwester M. losließ. Später dann, alle Schläuche gut verstaut, die Nachtschwester war mit dringenderen Fällen beschäftigt, unternahm ich eine Expedition ins Erdgeschoss um was am Automaten zu ziehen. Denn ich habe heute nur 3 Schnitten Brot, Tee und 1 Joghurt bekommen. Ein mitgebrachtes Päckchen Mikado ist bereits auch verdaut. Und ein kleiner grüner Salat, für den mein Zimmernachbar keine Verwendung hatte.

Es ist eine seltsame Welt. Jedenfalls habe ich nach dem Automaten das ebenso einzige wie unerlaubte Plätzchen fürs Rauchen entdeckt. Schmeckte mir nicht besonders. Aber Fotos gemacht …
Mein Zimmernachbar muß sich gerade in eine Wanne entleeren. Puuhh. Aber scheinbar hat ER gut gegessen.

Tags: , | Abgelegt in leibliches

Überraschung !

17.25 h

Aufgewacht und gestaunt. Über mir hängt ein Terminal mit Flachbildschirm , TV und schnellem Netzzugang. Noch bevor ich etwas zu essen bekomme, schreibe ich diese Zeilen. Sonst gehts halbwegs gut. Danke.

Tags: , | Abgelegt in leibliches

Das Knie geflickt.

9.25 h Ankunft Klink

9.30 h Termin (angesetzt)
Der Professor läuft an mir vorbei: „Heute ganz alleine?“ Ich: „Häh?“
Die Fugen lösen sich aus den Modulwänden des Wartezimmers.
Ich blättere in einer Zeitschrift namens H.O.M.E.
Die Flucht der Fugen.
9.55 h
Termin = Besprechung & Blutabnahme .
Der Professor: „Ich hatte Sie mit jemandem verwechselt, der kommt immer mit seiner Frau, die ist hier Patient.“ Zum Assistenzarzt: „Sieht er nicht genauso aus? Sie hätten ihn doch sicher auch verwechselt?“ Assistenzarzt bestätigt pflichtschuldigst.

10.05 h
Ab zur Patientenaufnahme. Vulgo: Warmlaufen für den Klinikalltag.

10.20 h
Patientenaufnahme gefunden, befindet sich wegen Umbau in der Kinderchirurgie. Eingang durch eine Glastür, die nur aufgeht, wenn man die nähere Umgebung geistesgegenwärtig nach einem elektrischen Türöffner absucht, diesen findet und drückt. Oder die wild hinter der Scheibe gestikulierenden Mit-Patienten-Anwärter richtig interpretieren kann. Dahinter ein Gang mit 2 Türen. Darauf steht Aufnahme 1 & Aufnahme 2.
Aufnahme 1

Ich hegte die Annahme, dass hinter Aufnahme 2 auch jemand sitzt. Pustekuchen.
aufnahme2.jpg

Alle warten vor Aufnahme 1.
Alles nimmt seinen Gang.
Eine Nummer gezogen, Leute abgezählt und erst mal den Kaffeeautomaten aufgesucht.
Warum bietet der Snackautomat daneben ausschließlich höchst ungesunde Fette, Zucker etc an? Braucht die Klinik noch ein paar adipöse Klienten mehr?
Drei Plätze neben mir saß ein älterer Herr in Patientenoutfit im Rollstuhl. Er hustet seltsam und auch sonst sind seine Geräuschabsonderungen sehr beunruhigend. Das ältere Ehepaar auf den anderen beiden Plätzen neben mir sucht sich neue Warteplätze. Jetzt kann der alte Mann mich barrierefrei anhusten. Zum Glück kommt er vor mir dran. Wir anderen können seine Aufnahmeprozedur akustisch verfolgen:

Sie :„Wohnort“
Er: „Häh?
Sie: „Sprechen sie Deutsch?“
Er : ( lautes Gemurmel)
Sie: „Wo kommen Sie her?“
Er: „Russland“
Sie: „Staatsangehörigkeit?
Er: „Moskau“
Sie: „Nein. STAATSANGEHÖRIGKEIT ! DEUTSCHER oder RUSSE?“
Er: „Russland“
Sie: „Aha. Verheiratet?“
Er: „Häh?“
Sie : „Haben Sie eine Frau?“
Er: „Allein.“

Ich gehe noch mal zum Kaffeeautomaten. Und hole mir einen Schokoriegel dazu. Für die Nerven. Und für noch ein paar lustige Szenen mit vom Organisationsgrad der Klinik verwirrten Patienten.

11.55 h

Ich bin dran. Papiere ausfüllen und der Dame lauschen, die den Grund für das Chaos in Sparmaßnahmen und Kündigungswellen sieht. „Ist die Dame von Aufnahme 1 auch gekündigt?“ will ich wissen. „Nein“, sagt sie „die ist krank. Ersatz gibt´s nicht.“ Im Computer hat sie eigentlich schon meine Daten und bis auf eine falsche Ziffer in meiner Telefonnummer und dem falschen Familienstand ist sogar alles richtig!
Meine Laufzettelsammlung wird größer. Jetzt muss ich in die Anästhesie im 6. Stock.

12.10 h

Sofort gefunden. Die Dame lächelt mich an, schaut in den Monitor und sagt: „Wir haben Sie schon erwartet. Den Arzt auch, aber der war seit 2 Stunden nicht mehr hier. Sie können ja schon mal DAS DA im Wartezimmer ausfüllen.“ Im Wartezimmer erklärt mir eine einsame, ranzige „Neue Revue“, warum junge Frauen auf alte Männer stehen. Der Arzt taucht auf. Ich verabschiede mich von Oda Immendorfs hübschem Foto und gehe ihm hinterher. Er nimmt noch 2 Patientinnen gleichzeitig vor mir dran, braucht dafür aber nur 3 Minuten.

Ich bestehe auf Vollnarkose, damit ich präoperativ den Klinikwahnsinn nicht mitbekomme und postoperativ noch etwas Zeit habe, mich an die Staubfäden, Wandflecken und -einbeulungen in den Zimmern zu gewöhnen. Solange sich keine Staphylokokken oder Streptokokken an mir gütlich tun und auch Sepsis keine Chance hat, soll mir die Putzfrequenz der Klinik egal sein.

12. 25 h
Ich soll meine Zettelsammlung wieder bei der Patientenaufnahme im Erdgeschoss abgeben.
Dort angekommen, klopfe ich dreist und reiche die Blätter herein.
„Was soll ICH damit?“ meint die Dame verblüfft. Worauf ich nur ein „Anordnung von OBEN!“ erwidern kann. „Da liegt ein Fehler vor…“, meint sie und schickt mich auf die Station in der 3. Etage. Dort empfängt man mich zunächst freundlich, will aber auch den Papierstapel nicht entgegennehmen. Freundlich weise ich die Damen darauf hin, dass ich hier morgen einquartiert werden soll und dass langsam die Wirkung des Schokoriegels nachlässt. Ich kann die Papiere dalassen und werde mit einem seltsam fröhlichen: „Bis morgen !“ verabschiedet.

12.40 h
Im Taxi fällt mir auf, dass ich wirklich ALLE Papiere dagelassen habe, auch die für mich bestimmten.

13.10 h
Meine Frau bastelt mir ein Umhängeschild. Für alle Fälle.
Zur Sicherheit.

Tags: , , , | Abgelegt in leibliches, société général
Nächste Seite »