Sprich, wenn’s wehtut !

Rentrée 2007

Morgen. Die Rückkehr nach Düsseldorf. Zu Bundestrojanern. Geburtstagen. Zooparkgassi. Brasiliendiashow. Gartenschwerstarbeit. Dauerregen oder güldener Spätsommer ? Ich glaub, ich geh noch mal schnell runter, zum Strand…

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Das brauch ich jetzt.

rie-harmonie.jpg
5. Fete Culturelle , Audresselles
Arbeit von Rie Wada.

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Ufff !

Von Salvador nach Frankfurt. Dann direkt nach Düsseldorf. Dann direkt nach Beaumont. Dann direkt nach Audresselles. 3 Tage Kulturfest veranstaltet. Jetzt todmüde. Bald mehr.

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Internaetsche

So aehnlich klingt das, wenn hier vom Web gesprochen wird. Ich behaupte, angesichts des jugendlichen Andrangs auf die Rechner in Cafes, Restaurants (!), dass das Internet mehr fuer die Alphabetisierung breiter Bevoelkerungsschichten getan hat als alle Kampagnen. Hier werden Liebesbriefe verfasst (ich spioniere gerade die Bildschirme  neben, vor und hinter mir aus…), Verabredungen ausgemacht und Familienbande gepflegt. Und heftig geskypt. Selbst bei McDo stehen Rechner.

Web 2.0 ist das wohl nicht, aber definitiv eine neue Kommunikationsvariante der mitteilungsfreudigen Brasilianer. Die kulturellen Unterschiede – allein die Webnutzung betreffend - sind zwischen den Laendern, die ich zuletzt besucht habe, riesengross.

Waer wohl mal was fuer Cultural studies und nicht nur fuer Marketing-Statistiker. Dass alles hier irgendwie funktioniert, der Abneigung gegen jede Art von Stress (Arbeit nach europaeischer Definition) der Brasileiros zum Trotze, grenzt an ein Wunder. Und an Wunder glauben fast alle Brasilianer.

Ich habe allerdings die Befuerchtung, dass ein wichtiges Wunder bald entzaubert wird. Das Wirtschaftswunder. (Wachstum satte 6 %) Alle kaufen auf Pump, denn: morgen koennte man schon tot sein. Das Leben hier & jetzt scheint die ultimative (und mir durchaus sympathische) Philosophie der Leute hier zu sein. Und irgendwie kriegen die da auch noch ORDEM E PROGRESO (Ordnung und Fortschritt) rein. Allerdings auf andere Art als Europa diese Begriffe deutet. Leider funktioniert sowas oft nicht lange. Faule Kredite haben schon ganze Volkswirtschaften ruiniert. Aber wer weiss, Gott ist ja schliesslich Brasilianer und wird’s schon irgendwie richten.

Was anderes: Heute beim Strandfussball spielten mehrere Frauen mit. Hab ich so noch nirgends in der Welt gesehen. Der Machismo ist hier tatsaechlich somehow different.

Boa noite…

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Rainy sunday afternoon

Wollte heute eigentlich zum Strand. Stattdessen eine denkwuerdige Museumstour gemacht. Denn: Saemtliche Museen auf meiner Liste hatten geschlossen, waren unauffindbar oder einfach uninteressant. Hier liegt scheinbar einiges im Argen, was laut manchen Kulturwissenschaftlern zum einen an der oralen Kultur der schwarzen Bevoelkerung, zum anderen an der Geringschaetzung der Brasilianer fuer alles Abstrakte liegt. Fuer tiefere Einsichten empfehle ich den Band BRASILIEN aus der Reihe Kulturschock.

Das Highlight des Tages war ein grosser Mangobaum auf der Nobel-Hochhaus-Meile Avenida do 7 Setembro. Darin hausten kleine Affen. Die grossen hingegen parkten ihre SUVs vor den gut bewachten Residenzen ein paar Meter weiter…

 

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Doing Doing, dededede doing doing….

Heute eine Berimbao gekauft, die ich natuerlich dekontextualisiert verwenden werde. Fuer Capoeira bin ich zu alt. Und zu steiff. Am Montag wird noch eine Cavaquinho dazukommen, die besten sollen angeblich hier in Salvador gefertigt werden. Mir wurde die Marke Giannini empfohlen. Hmmmpf – schon wieder Italiener ? Was mich mit der offensichtlichen Misere hier immer wieder ein wenig versoehnt, ist die Musikalitaet der Stadt. Musik ueberall und in allen Spielarten, die dieses Riesenland zu bieten hat. Eine weitere Aehnlichkeit mit der groessten Karibikinsel.


Uebrigens wird hier in Bahia, anders als manche behaupten, tatsaechlich Caipirinha getrunken. In hohen Quantitaeten. Und zu jeder Gelegenheit – selbst im Fussballstadion. Wir haben uns ein Spiel in der ichsachma Kreisliga angesehen – Hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Wenig Akrobatik und keine Ballzauberei gesehen. Dafuer aber die Schadenfreude des Publikums bei jedem Foul an den Spielern der gegnerischen Mannschaft laut und ausdrucksstark vernommen.
Italienischer Einfluss ?

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Chuva da Brasil

bei licht besehen

In einem Internetcafe, dass abends von diversen Zuhaelter-Dreadlocks bevoelkert wird (meninas? cocain? marihuana? etc.) sitze ich gerade (5 Uhr nachmittags!) mit ungefaehr dieser (siehe Bildchen) Aussicht.  Viele junge Italiener sind die Kunden dieses Angebots. Mir hat neulich einer erklaert warum: In Italien und in Resteuropa sowieso sei der Mann ja nix mehr wert. Hier hingegen… Der Typ war Mitte 20 und nicht unansehnlich. Ich glaube ab jetzt fest daran, dass die Maedels in Italien die Schnauze voll von den Machomuttersoehnchen  haben. Glueckwunsch, ragazze !

Das Ganze hier kommt Houellebecqs Vision in Plateforme ziemlich nah.

Da dies in Bahia, dem brasilianischen Bundesstaat mit weltweit (nach Nigeria) groesstem schwarzem Bevoelkerungsanteil weltweit, keine Seltenheit ist, tun sich mir nur Vergleiche mit Cuba, dass einen aehnlichen Hautfarbenmix vorweist, auf. Katholisch-Kapitalistischer Schwachsinn hier, sozialistischer dort – da hilft die fast identische afrikanische  Goetterwelt (Candomblé bzw. Santeria) auch nur wenig.

Ansonsten ist auch hier die Bevoelkerung umso liebenswuerdiger, je weiter sie vom Zentrum Salvador entfernt lebt.  Dazu spaeter mehr. Mit ein paar Scheuklappen mehr, als ich sie besitze, kann man sich hier sicher so wohl fuehlen, dass man dableiben moechte

Gerade hat es wieder geregnet.

 

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Wer es genau wissen will:

Hier stecke ich gerade und mir ist kalt. Mehr demnaechst, wenn das Wetter bessere Netzverbindungen zulaesst. Ansonsten tudo bem.

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Da hinten und dann links 5000 Meilen runter…

lamer.jpg

....bin ich die nächsten zwei Wochen. Von da (Salvador da Bahia, Brasilien) demnächst mehr.

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Im SUV totgefahren.

weg damit !
Was sagt ein SUV über seinen Fahrer aus ?

1. Ich zuerst.
2. Ich schaue auf euch runter.
3. Fußgänger sind mir scheißegal. Kinder (nicht meine) sollen zuhause bleiben.
4. Radfahrer erst recht. Unfallstatistiken ebenso.
5. Spritpreise auch scheißegal, ich hab’s ja.
6. Mein EIQ wäre schon in der Steinzeit niedrig gewesen.
7. Mein IQ übersteigt nur unwesentlich den einer Kartoffel.

Zur Zeit ist im Pas-de-Calais bei den Verbrechern Home-Jacking schwer hip. Und was klauen die ? Richtig: SUVs. Auf Bestellung ihrer Kollegen in Osteuropa.

Das Fehlen des im neuen Spiegel groß besprochenen Moral-Gens läßt sich auch ohne wissenschaftlich aufwendige Forschungen einfach festellen. Man befrage die Autohersteller nach ihrem SUV-Umsatz. Ist auch Tierschutz: Mehr Freizeit für die armen Versuchs-Affen. Ein mir bekannter Autoverkäufer erzählte Überraschendes über Hummer-Fahrer. Die erste Käufer-Welle waren die üblichen Verdächtigen: Rotlicht & Neureiche. Die zweite hingegen: Ärzte!

Was meine Vorbehalte gegenüber diesem Berufsstand ein GANZKLEINWENIG verstärkt.

ban !
Im Nachbarort Wimereux treiben jetzt Unbekannte (nach Schweizer Vorbild) Öko-Vandalismus. SUV & Geländewagenfahrer fanden gestern morgen ihre Fahrzeuge “entlüftet” vor. Ausser platten Reifen hinterließen die Täter auch eine Nachricht:
Lächeln Sie, Sie wurden entlüftet !” Die Tat wurde mit “zivilem Ungehorsam” begründet . Und mit dem hohen Schadstoffausstoß und der Gefährlichkeit der Wagen für andere Verkehrsteilnehmer. Der Zettel endete mit den Worten “Mit dieser symbolischen Geste lassen wir frische Luft rein … !”
Naiver Öko-Aktivismus, der aber meine volle Zustimmung findet.
Nix, ausser ungut.

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