radikal contra adical ?
Holgis heutige Trackback-Sendung (Radio Fritz/RBB) und Podcast (Spreeblick) zum Thema:
Werbung in Blogs. (Muss das? Soll dass? Und warum überhaupt?)
Gäste sind im Studio und am Telefon: Johnny Spreeblick, Rene von Nerdcore und meinerseiner.
In Holgis Einladungsmail stand:
Ausser dir ist niemand mit einer ähnlich rigorosen Meinung in meinem Feedreader, so dass ich gerne mit dir sprechen würde.
Schluck ! Bin ich der Einzige, dem’s so geht ? Glaube ich nicht. Die ganze Sendung (ca 1h 45 min) oder nur den Teil mit mir:
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100 % d’accord, Marc. Sie riechen die Kohle und kriechen hin, egal was es kostet. Zum Kotzen.
... und für alle, die denken vonWegen wäre ein kleiner Rotzer, – er ist älter und war mein erster Chef … in der Werbung. Er weiß auch wovon er redet. (vW – ich muss dass klarstellen, du weißt warum, wenn du die Sendung gehört hast.)
Den ‘Gegenwind’, der angeblich durch die Bloglandschaft rauscht, habe ich auch nicht bemerkt. Die Kritiker an Werbung in Blogs kann man meines Erachtens (leider) an einer Hand abzählen. Ich hab’ die letzte Woche – so kam es mir vor – jedenfalls gegen Windmühlen kommentiert.
Vielleicht ist es so, wie Johnny es andeutete, und Blogs hören ab einem gewissen Punkt auf, welche zu sein – allein schon textsortenspezifisch – und nicht die Technik (Kommentarfunktion) entscheidet, ob Blog oder nicht (Online-Magazin – whatever), sondern vielmehr Inhalt, Größe, Vermarktung und Selbstverständnis.
Das Argument gegen Werbung in Blogs ist doch ganz einfach: Blogs hören auf, Teil einer Gegenöffentlichkeit gegen die kommerziellen Medien zu sein, sobald sie sich selbst kommerzialisieren. Das heißt, ihr (selbst-)aufklärerisches Potential nimmt ab. Mal an die Befürworter der Kommerzblogs gefragt: Was kann daran ganzheitlich betrachtet gut sein?
Ich wüsste nicht, dass Blogs sich grundsätzlich als “Teil einer Gegenöffentlichkeit” gegen auch nur irgend etwas definiert hätten. Aus meiner Sicht sind sie einfach eine Weiterentwicklung der privaten Homepages aus den 90ern und entspringen eher einer “ich will auch mal”, oder “ich will selbst entscheiden/machen was ich will”-Mentalität.
Werbung in Blogs sehe ich auch kritisch, aber eher deshalb, weil einfach zuviel Schindluder damit getrieben wird. Wenn Affiliate-Links von großen Online-Shops ohne Hervorhebung in die Blogtexte integriert werden oder Ad-sonstwas-Boxen derart in die Navigationsbereiche eingebunden werden, dass man gar nicht umhin kommt sich ab und an mal darauf zu “verklicken”, dann ist es mehr als ärgerlich.
Wenn es klar abgegrenzte Werbebereiche gibt, oder Buchempfehlungen zum Thema mit den entrechendes Shops als Werbung erkennbar verlinkt sind, sehe ich da kein Problem, im Gegenteil, oft hat diese Art von Werbung für mich als Konsumenten sogar einen Mehrwert.
Was ich aber eigentlich damit sagen wollte ist, dass mir die typische Schwarz-Weiß-Diskussion ein bisschen auf den Sack geht. Mit Werbung wird sicher viel Scheiße gebaut, gerade wenn es um die Manipulation von (noch-)nicht-mündigen Mitgliedern der Gesellschaft geht. Andererseits blieben auch viele wertvolle Inhalte und Services im Netz (so auch alle die in diesem Blog rechts unten verlinkt sind) ohne Werbung einer breiten Öffentlichkeit verborgen, oder es würde sie gar nicht geben.
Mal schauen, wie es sich entwickelt; das Ei ist ja noch nicht gelegt. :)
Es geht nicht um irgendwelche Blogs, sondern um solche, denen sich schon unterstellen lässt, dass sie einen zumindest aufklärerischen Charakter ihr eigen nennen (wollen). Und da liegt das Problem …
Was ist das für ein Verständnis von der Arbeit (bloggen) sie in Hobby (Privatvergnügen) und ich nehme an Beruf (ernsthafte Arbeit) zu unterteilen. Glücklicherweise existiert diese Unterteilung in der unhabhängigen Welt (wie Kunst oder Musik beispielsweise) nicht. Die Argumentation von Spreeblick, dass dann (wenn das Geld woanders verdient wird) die Blogarbeit an letzter Stelle kommt, zeigt die Schwäche in der Motivation und vielleicht im Selbstverständnis. Das würde einer am Inhalt interessierten Person nicht passieren. Aber wir haben es hier eventuell mit einer anderen Spezies zu tun.
Jau. Das sind eigentlich “Contentproduzenten”. Schreiben über alles, sofern es ihre “Awareness” steigert. Die Basic-isierung der Blogosphäre. Viele der sogenannten A-Blofs (oh, freudscher Vertipper?), die jetzt oder schon länger über “Geld verdienen mit Blogs” nachdenken, sind ja eigentlich im subjektiv relativistischen Nirvana (um Adorno zu paraphrasieren) angesiedelt. Irgendwo zwischen Magazin und Boulevard. Dauerlogorrhoe, Komabloggen. Oder wie ich nach dem ersten Bloggertreffen in Düsseldorf im Mehrzweckbeutel anmerkte: Fortsetzung des Mittelstandes mit anderen Mitteln. – Welcher natürlich immer einen gesunden Instinkt für das schnelle Geld oder das kleine Geschäft hatte. In diesem Sinne…